„Schmerz zulassen“ ist ein Satz, den wir oft hören – vor allem, wenn es um Verlust und Trauer geht. Doch was heißt das wirklich? Für mich wurde diese Frage sehr persönlich, als Menschen verstarben, der mir viel bedeuteten. Ich bin anfangs vor meinen Gefühlen weggelaufen und dachte ich muss stark sein. So wurde ich erzogen. Doch irgendwann habe ich gelernt die Gefühle zuzulassen, habe geweint, gefühlt und war manchmal ohnmächtig. Und dennoch stand ich mir immer wieder vor der Frage: Wie integriere ich diesen Schmerz wirklich in mein Leben?
Schmerz zulassen – mehr als nur fühlen
Schmerz zuzulassen bedeutet nicht nur, ihn zu spüren oder Tränen zu vergießen. Es heißt, dem Schmerz Raum zu geben, auch wenn unser inneres System alles daran setzt, ihn zu vermeiden. Schmerz ist unangenehm, er will weg – und doch ist es genau dieses „Nicht-Wegschieben“, das uns erlaubt, mit ihm zu leben, statt gegen ihn anzukämpfen.
Heilung heißt nicht Schmerzfreiheit
Wir hören oft, dass Trauer irgendwann vorbei ist, wenn der Schmerz verschwindet. Aber oft bleibt der Schmerz – verändert sich, wird leiser, vielleicht anders spürbar, aber er bleibt ein Teil von uns. Es ist nicht das Ziel, den Schmerz komplett loszuwerden, sondern ihn zu integrieren und damit zu leben.
Musik als Ausdruck meines Schmerzes
Für mich ist Musik machen ein Weg, meinen Schmerz auszudrücken. Ich improvisiere nach dem, was ich gerade fühle. Aber ich muss aufpassen, dass aus Traurigkeit nicht ein melancholischer Sog wird, die mich abwärts zieht. Musik ist für mich ein Ventil, aber auch ein Balanceakt. Stelle dir zum Beispiel die Frage: „Verarbeite ich gerade oder schwimme und ertrinke ich eher?“
Annehmen statt wegdrücken
Schmerz kann erdrücken, wenn wir ihn versuchen zu vermeiden – aber auch, wenn wir uns in ihm verlieren. Der Weg liegt darin, ihn anzunehmen, ohne von ihm überwältigt zu werden. Das braucht Zeit, Geduld und manchmal kleine Rituale oder Ausdrucksformen, die helfen, die Gefühle zu verarbeiten.
Mut zur Verletzlichkeit
Schmerz zuzulassen heißt auch, sich verletzlich zu zeigen und sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen. Es ist ein Prozess, kein Ziel, das nach einer Liste abgearbeitet wird. Und manchmal gehört dazu, Hilfe anzunehmen – von Freunden, Familie oder Fachleuten.
Schmerz zulassen ist eine Herausforderung, für die es keinen einfachen Weg gibt. Aber es ist ein Weg, der aus der Ohnmacht herausführt und zu einem Leben mit dem Verlust führt – nicht trotz, sondern mit dem Schmerz. Ich lade dich ein, diesen Weg mutig zu gehen, mit allen Höhen und Tiefen