„Wir sind alle verschieden – und das ist gut so.“
„Wir sind alle verschieden – und das ist gut so.“

„Wir sind alle verschieden – und das ist gut so.“

Warum dieser Satz oft nur Dekoration ist

Wir sind alle verschieden und das ist gut so“ gehört zu den beliebtesten Selbstvergewisserungen moderner Gesellschaften. Er klingt tolerant, offen, humanistisch. Er vermittelt das Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen – ohne etwas verändern zu müssen.

Denn gemeint ist selten wirkliche Verschiedenheit. Akzeptiert wird vor allem jene Differenz, die nicht stört: Unterschiedliche Hobbys, Geschmäcker, Kleidungsstile. Vielleicht auch unterschiedliche Lebensentwürfe – solange sie leise sind, erklärbar, kompatibel.

Sobald Verschiedenheit jedoch bedeutet:

  • andere Kommunikationsweisen
  • andere Reizverarbeitung
  • andere Bedürfnisse nach Rückzug, Klarheit oder Ehrlichkeit
  • andere Prioritäten als Harmonie und Smalltalk

kippt die wohlwollende Haltung.
Dann wird aus „Verschiedenheit“ plötzlich ein Problem, das gemanagt werden soll. Nicht durch Anpassung der Strukturen – sondern durch Anpassung der Person.

Die Botschaft lautet unausgesprochen:

Du darfst anders sein. Aber bitte nicht so anders, dass es Konsequenzen für uns hat.

Genau hier zeigt sich, warum Masking so gesellschaftsfähig ist. Es erlaubt, den Satz „Wir sind alle verschieden“ weiter zu benutzen, ohne ihn ernst nehmen zu müssen.

Denn echte Akzeptanz von Verschiedenheit würde bedeuten:

  • Irritation auszuhalten
  • Kommunikationsnormen zu hinterfragen
  • Machtverhältnisse sichtbar zu machen
  • den eigenen Komfort nicht zum Maßstab zu erklären

Das ist anstrengend. Anpassung ist bequemer (Gute Miene zum bösen Spiel)

So wird Vielfalt gefeiert – solange sie performativ bleibt und solange sie die eigene „Toleranzfähigkeit“ zur Schau stellt. Und Anpassung gilt weiterhin als Reife, Rücksicht oder soziale Kompetenz.

Nicht, weil Vielfalt wirklich erwünscht ist. Sondern weil sie gut klingt, solange sie keine Veränderungen fordert.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Vielfalt – van Dinters Blog

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