Hochsensitiv. Sensibel ist nicht gleich sensibel.
Hochsensitiv. Sensibel ist nicht gleich sensibel.

Hochsensitiv. Sensibel ist nicht gleich sensibel.

Hochsensibilität ist kein Widerspruch zu Stärke – sie bedeutet, Reize tiefer zu verarbeiten, Empathie stark zu empfinden und Emotionen intensiv zu erleben. Doch viele Hochsensible kennen auch Phasen, in denen Pessimismus, Selbstabschottung oder Abwertung anderer auftreten. Das liegt oft nicht an Charakterschwächen, sondern an überfordernem Nervensystem, inneren Stimmen und ungünstigen Bewältigungsstrategien. Angriff als Schutz.

Was passiert da eigentlich?

Überstimulation: Reize aus Umfeld, Medien oder Aufgaben führen zu Überlastung und Angst. Die Folge: negative Gedankenspiralen, ungesunde „Fehlerpolitik“ gegen sich und andere. Es entstehen Gegenwarts- und Zukunftsängste.

Selbstabwertung: Hohe Maßstäbe an sich selbst, Perfektionismus und die Tendenz, Fehler global als Versagen zu bewerten, statt sie situativ zu betrachten.

Soziale Isolation: Scheu, andere zu belasten, führt zur Einsamkeit – es entsteht das Gefühl, allein zu sein in der Empfindung. In diesem Alleinsein findet oft eine Umkehrung statt, um die Situation erträglicher zu gestalten. Es wird sich selbst suggeriert, sich von der schlechten Welt zu distanzieren. Eine Überhöung der eigenen Person ist die Folge und es wird sehr scharf geschossen aus dem Elfenbeinturm. Die eigenen Gedanken, Weisheiten und Empfindungen sind korrekt, die der anderen nicht. Es entwickeln sich mitunter Allmachtsphantasien oder das Gefühl besonders auserwählt zu sein.

Wichtiges Misverständnis: Hochsensibilität bedeutet nicht automatisch Pessimismus oder Arroganz. Oft sind es Schutzmechanismen, die kurzfristig Halt geben, langfristig aber schaden. Empathie kann zu Selbstaufgabe führen, wenn Grenzen fehlen. Doch umgekehrt gibt es auch viele hochsensible Menschen, die ihre Einstellung: „Ich komme von einem anderen Planeten und passe nicht in diese Welt“, auf negative Art zelebrieren.

Arbeiten am Selbstbild, statt am Selbsthass

  • Akzeptiere deine Hochsensibilität als Teil deiner Stärke, nicht als Schwäche.
  • Entwickle neutrale bis positive Selbstgespräche: Von “Ich schaffe das nie” zu “Ich kann das Stück für Stück lösen”.
  • Akzeptiere, dass du mehr Rückzug und Ruhe brauchst, als andere Menschen,
  • Wenn du deine emotionsgeladenen Gedanken nicht verarbeitet bekommst, kehre sie nicht in Hass um gegen die Außenwelt, sondern schreibe sie heraus und vernichte das Papier.

Mache dir klar, dass deine Wahrnehmung eine andere ist. Das sagt weder etwas über deinen Wert aus, noch über den anderer Menschen. Womöglich denkst du, dass du als hochsensible Person besonders betroffen bist, vom Egoismus und der Rücksichtslosigkeit der Menschen. Es ist wahrscheinlich eher so, dass dir das besonders auffällt und andere Leute es schneller abschütteln können. Das Richtschwert über Mitmenschen zu erheben, ist dann genauso wenig sensibel – im Sinne von diplomatisch sein.

Hochsensible Menschen sind nicht gleich sensibel im Umgang mit ihren Mitmenschen. Falls dich dieser Satz ärgert, ist das erstens ok und zweitens schreibe ich das als hochsensitive Person, die nicht immer sensibel ist. Ich übe auch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert