Gibt es Besetzungen?
Gibt es Besetzungen?

Gibt es Besetzungen?

Wenn alte Stimmen unser Denken übernehmen

In spirituellen oder religiösen Kreisen ist oft von „Besetzung“ die Rede – von dämonischen Einflüssen, dunklen Wesen oder fremden Energien, die Kontrolle über einen Menschen übernehmen. Doch es gibt eine andere, tiefere – und oft viel realere – Art von „Besetzung“: jene durch unverarbeitete psychische Inhalte, die aus unserer Vergangenheit stammen.

In der Psychodynamik spricht man manchmal von:

„Besetzung durch ein unintegriertes psychisches Objekt.“

Das klingt kompliziert, ist aber im Kern einfach. Als Kinder begegnen wir übermächtigen Erwachsenen: Eltern, Lehrern, Priestern, Erziehern. Manche dieser Bezugspersonen bewerten, bestrafen oder manipulieren – nicht unbedingt aus Bösartigkeit, sondern aus eigener Unreife oder ungelöster Traumata. Wenn wir dann nicht lernen, diese Erfahrungen bewusst zu verarbeiten, bleibt etwas davon als innere Stimme in uns zurück.

Diese Stimme kann z. B. sagen:

  • „Du bist nicht gut genug.“
  • „Du darfst das nicht.“
  • „Wenn du dich wehrst, wirst du bestraft.“
  • „Nur wenn du alles richtig machst, wirst du geliebt.“

Oft merken wir gar nicht, dass diese Stimme nicht wirklich wir selbst sind.
Wir handeln „wie ferngesteuert“, fühlen uns plötzlich klein, schuldig oder aggressiv – und verstehen nicht, warum.

Diese Art der „inneren Besetzung“ ist kein Zeichen von Schwäche oder psychischer Störung, sondern eine ganz normale Folge früherer Prägungen. Doch sie kann unser Leben erheblich beeinträchtigen, wenn wir sie nicht erkennen und bearbeiten.

Was hilft?

  • Selbstbeobachtung: Wer spricht da gerade wirklich in mir?
  • Innere Kind-Arbeit, Schattenarbeit, Gestalttherapie.
  • Kontakt zu echten, wohlwollenden inneren Instanzen – dem erwachsenen Selbst, dem Herzraum.

Freiheit beginnt da, wo wir erkennen: Ich bin nicht meine alten Stimmen. Ich bin mehr.
Und: Ich darf mir mein inneres Feld zurückholen – Schritt für Schritt.

2 Kommentare

  1. Carmen Nürnberg

    Sehr schön erklärt. Es ist ja tatsächlich so, dass man vieles, was einem als Kind beigebracht oder „eingetrichtert“ wurde mitnimmt und auch als Erwachsener noch danach handelt. Gerade das muss einem aber erstmal richtig bewusst werden, damit man einen Weg findet um es abzulegen. Nur dann kann man seine eigene Persönlichkeit entwickeln und so leben wie man es will.

    1. „… es muss einem bewusst werden … „, so ist es. Manchmal fragt man sich, wie kann einem bewusst werden, was einem unbewusst ist? Hat erst einmal etwas Paradoxes oder? Ich denke, es sind u.a. die Trigger, die uns einen Hinweis darauf geben. Sie sind wie eine Tür zu den Anteilen in uns, die auf Heilung warten.

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