Was passiert zwischen „nicht mehr“ und „noch nicht“?
Was passiert zwischen „nicht mehr“ und „noch nicht“?

Was passiert zwischen „nicht mehr“ und „noch nicht“?

Es gibt Phasen im Leben, die sich kaum benennen lassen. Man ist nicht mehr dort, wo man war – aber auch noch nicht dort, wo etwas Neues trägt.
Das Alte funktioniert nicht mehr.
Das Neue ist noch nicht greifbar.

Zwischen diesen Polen entsteht ein Raum, der oft als Leere beschrieben wird. Oder als Stillstand. Oder als Scheitern. (Ich füge auf einem Nebengleis ein: Stille ist nicht gleich Leere)

Es ist ein Übergang.

In diesem Zwischenraum brechen Routinen weg. Gewissheiten verlieren ihre Kraft. Rollen, die lange Halt gegeben haben, lösen sich auf. Funktionieren geht nicht mehr – aber auch die Orientierung fehlt. Viele erleben diese Phase als besonders bedrohlich, weil sie sich nicht einordnen lässt. Sie ist nicht eindeutig krank, nicht eindeutig gesund. Sie ist nicht“ innerlich bei sich“ oder „innerlich verloren“. Nicht Krise im klassischen Sinn, aber auch kein Aufbruch.

Das „nicht mehr“ ist oft klar spürbar:

  • Nicht mehr leistungsfähig
  • Nicht mehr anpassungsbereit
  • Nicht mehr bereit, sich selbst zu übergehen
  • Nicht mehr willens Ja zu sagen, wo Nein gemeint ist

Das „noch nicht“ bleibt allerdings vage:

  • Noch keine neue Sprache
  • Noch kein neues Tempo
  • Noch kein stabiles Vertrauen
  • Noch keine neuen „Lebensideen“
  • Noch keine Klarheit

Gesellschaftlich gibt es für diesen Zustand wenig Raum. Er gilt als unproduktiv, unklar, riskant. Entsprechend schnell taucht der Wunsch auf, ihn zu beenden. Zurückzukehren. Oder vorwärts zu springen. Es entstehen in solchen Momenten auch Gefühe von „ich bin unproduktiv“ oder „ich habe hier unverdiente Freizeit“, sofern die Person im Rückzug lebt.

Übergänge lassen sich nicht beschleunigen, ohne Schaden zu nehmen.

Zwischen „nicht mehr“ und „noch nicht“ passiert oft etwas Wesentliches:
Ein inneres Neuordnen.
Ein leises Verschieben von Prioritäten.
Ein erstes Abgrenzen von Erwartungen, die nicht mehr passen.

Von außen wirkt das wie Stillstand. Von innen ist es Arbeit. Sehr harte Arbeit mitunter.

Nicht jede Phase muss genutzt werden. Nicht jede Leere gefüllt. Manches braucht Zeit, um überhaupt Form annehmen zu können.

Vielleicht ist dieser Zwischenraum kein Defizit, sondern eine notwendige Schwelle.
Ein Ort, an dem nichts entschieden werden muss – außer, nicht (mehr) gegen sich selbst zu arbeiten.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Krise / Raum – van Dinters Blog

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